Jørd Und Jats Tauchen Dj Chus’ „Underwater“ In Neues Licht
Vier Jahre nach seiner Veröffentlichung kehrt einer der persönlichsten Tracks aus DJ Chus’ Katalog zurück. Für die neuen Remixe überlässt er „Underwater“ zwei Produzenten einer jüngeren Generation, die den emotionalen Kern des Originals bewahren, ohne ehrfürchtig davor stehenzubleiben.
Manche Tracks verschwinden nach ihrer Veröffentlichung langsam aus dem eigenen Blickfeld. Andere wachsen weiter, tauchen Jahre später in Sets wieder auf und beginnen irgendwann ein Leben zu führen, das sich vom Moment ihrer Entstehung gelöst hat.
Für DJ Chus gehört „Underwater“ zur zweiten Kategorie.
Als der Track 2022 auf Stereo Productions erschien, war er selbst bereits eine Neuinterpretation. Chus griff eine Melodie von Harry Thumann auf und übersetzte sie in seine eigene musikalische Sprache: Disco-Einflüsse trafen auf Indie House, ein hypnotischer Groove auf eine fast melancholische Emotionalität. Daraus entstand ein Track, der sich innerhalb seines Katalogs schnell einen eigenen Platz erarbeitete und gleichzeitig vieles von dem bündelte, wofür Stereo Productions seit Jahren steht. Chus
Vier Jahre später wollte Chus „Underwater“ nicht einfach noch einmal neu verpacken. Wenn ein Track bereits eine eigene Geschichte besitzt, besteht die interessantere Frage darin, wer ihm etwas hinzufügen kann, ohne das zu zerstören, was ihn ursprünglich besonders gemacht hat.
Die Antwort fand er in JØRD und JATS.
Beide Produzenten gehören zu einer jüngeren Generation elektronischer Artists, bewegen sich musikalisch allerdings in deutlich unterschiedlichen Welten. Genau darin lag für Chus der Reiz.
„Diese beiden Jungs sind nicht nur die Zukunft der elektronischen Szene, sondern auch ihre Gegenwart“, erklärt er. „Ich habe JØRD und JATS wegen ihrer Produktionsstile ausgewählt und wegen der völlig neuen Wege, auf denen sie unsere Branche musikalisch bereichern. ,Underwater‘ ist ein ganz besonderer Track für mich. Deshalb wollte ich Künstler, die seinen Kern respektieren und ihn gleichzeitig in eine neue, aufregende Richtung führen.“ Chus
JØRD: DEN GROOVE WEITERDENKEN
JØRD nähert sich „Underwater“ nicht mit dem Versuch, das Original grundlegend auseinanderzunehmen. Stattdessen verstärkt er jene Eigenschaften, die ohnehin bereits unter seiner Oberfläche lagen.
Der brasilianische Produzent hat sich in den vergangenen Jahren einen Sound aufgebaut, der stark über Bewegung funktioniert. Mit mehr als zwei Millionen monatlichen Hörer:innen, Festivalauftritten bei Lollapalooza, Só Track Boa und Ultra sowie Releases auf Labels wie Experts Only, Maccabi House und Nervous gehört er inzwischen zu den etablierten Namen der brasilianischen elektronischen Szene. Kollaborationen mit Rafael und Vintage Culture sowie seine jüngste Single „Baby Do You Wanna Bump“, mit der er erstmals Platz eins der Beatport-Charts erreichte, haben diesen Weg weiter gefestigt. Chus
Sein Remix von „Underwater“ funktioniert entsprechend weniger wie ein Bruch als wie eine Verschiebung.
Die vertraute Emotionalität bleibt erhalten, doch der Track bekommt mehr Gewicht. Tiefere Texturen und kraftvollere Synthesizer ziehen ihn stärker in die Gegenwart, während der Groove unmittelbarer auf den Dancefloor zielt. Die Melodie bleibt wiedererkennbar, aber sie bewegt sich plötzlich in einem anderen Körper.
Genau darin liegt die Stärke des Remixes. JØRD versucht nicht, Chus aus dem Track herauszuschreiben. Stattdessen findet er genügend Raum innerhalb des Originals, um seine eigene Handschrift daneben sichtbar werden zu lassen. Chus
JATS: NOSTALGIE MIT EINER NEUEN STIMME
JATS nimmt einen anderen Weg.
Der französische Produzent bewegt sich zwischen House, Afro-Tech und Indie Dance und hat sich mit Veröffentlichungen auf DAYS like NIGHTS, VIVa MUSIC, Mektoub Records, REDOLENT und Purified einen Sound erarbeitet, der melodische Detailarbeit mit der Direktheit des Dancefloors verbindet. Sein Stereo-Productions-Debüt „Power“ brachte ihn bereits zuvor in die Nähe von Chus’ musikalischer Welt. Chus
Für seine Interpretation von „Underwater“ setzt JATS ausgerechnet dort an, wo ein Remix besonders schnell zu viel werden kann: bei der Stimme.
Eine weibliche Vocal legt sich über die bekannte Melodie und verändert dadurch sofort die emotionale Perspektive des Tracks. Statt das nostalgische Element des Originals zu verstecken, rückt JATS es stärker in den Vordergrund. Die Stimme klingt wie eine Erinnerung, während die Produktion darunter eindeutig in der Gegenwart bleibt.
Diese Spannung macht seine Version interessant.
Sie ist größer angelegt als das Original, aber nicht zwangsläufig lauter. Melodie und Vocal bekommen Raum, bevor die Produktion ihre eigentliche Kraft entfaltet. Dadurch funktioniert der Remix sowohl in einem intimeren Clubkontext als auch auf einer wesentlich größeren Bühne, ohne seinen emotionalen Kern zu verlieren. Chus
EIN TRACK DARF SICH VERÄNDERN
Vielleicht erzählen diese beiden Remixe letztlich weniger davon, wie man einen Klassiker modernisiert, als davon, was mit Musik passiert, wenn man sie anderen Händen überlässt.
JØRD hört in „Underwater“ vor allem Bewegung und Groove. JATS findet darin stärker die Melancholie und das melodische Potenzial. Beide Versionen beginnen mit demselben Ausgangsmaterial und landen trotzdem an zwei deutlich unterschiedlichen Orten.
Für Stereo Productions ist genau diese Weitergabe ohnehin Teil der eigenen Geschichte. Seit fast drei Jahrzehnten baut das Label auf einer Idee von elektronischer Musik auf, die ihre Wurzeln kennt, aber nicht versucht, sie einzufrieren. „Underwater“ passt deshalb vielleicht gerade jetzt besonders gut in diesen Kontext: als Track, der selbst aus einer Neuinterpretation entstanden ist und nun erneut von einer anderen Generation gelesen wird. Chus
Das Original bleibt dabei vollkommen intakt.
Nur die Perspektive hat sich verändert.
Und vielleicht ist genau das die beste Art, einem Track ein zweites Leben zu geben.
DJ Chus – „Underwater (JØRD & JATS Remixes)“ ist seit dem 9. Oktober exklusiv auf Beatport erhältlich und erscheint am 16. Oktober auf allen weiteren Plattformen.
