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My Soul Is... Split Series

Mixmag Germany Interview x J Gabriel & Bruno Pronsato

  • 13 July 2026
My Soul Is... Split Series

Für die neueste Vinyl-Veröffentlichung bringt Onysia drei markante Stimmen aus den tieferen Regionen elektronischer Musik zusammen. My Soul Is... Split Series vereint den New Yorker Produzenten J Gabriel mit seinen langjährigen Weggefährten Thomas Melchior und Bruno Pronsato auf vier Tracks, die die Grenzen zwischen Deep House, Minimal und psychedelischem Groove verschwimmen lassen. Das Ergebnis ist eine Platte, die zugleich verspielt und akribisch wirkt – voller subtiler Bewegungen, ungewöhnlicher Texturen und jener Details, die sich erst nach wiederholtem Hören vollständig offenbaren.

Mit Beiträgen, die vom hypnotischen Puls von Bells Spells über die traumartige Atmosphäre von My Soul Is bis hin zu Bruno Pronsatos Neuinterpretation im Bruno Soulcircus Mix reichen, spiegelt die Veröffentlichung die gemeinsame musikalische Sprache wider, die diese Künstler über viele Jahre an den Rändern von House und Techno entwickelt haben.

Vor dem Release auf Onysia sprach Mixmag Germany mit J Gabriel und Bruno Pronsato über Zusammenarbeit, kreatives Vertrauen, Sounddesign und die anhaltende Faszination von Musik, die irgendwo zwischen Dancefloor und konzentriertem Zuhören existiert.

Ihr beide habt eure Karrieren aufgebaut, indem ihr konsequent euren eigenen kreativen Weg gegangen seid, anstatt Trends hinterherzulaufen. Wie bewahrt ihr euch in der heutigen elektronischen Musiklandschaft eure Neugier und vermeidet es, euch zu wiederholen?

J Gabriel:

Manchmal wünschte ich tatsächlich, ich könnte mich öfter wiederholen. (lacht) Idealerweise entsteht Neugier aus etwas, das außerhalb der Umstände des Tages liegt. Ich versuche, die aktuelle Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und gleichzeitig die Lektionen der Vergangenheit mitzunehmen. Künstlerische Neugier und Inspiration sind eng miteinander verbunden – sie nähren sich gegenseitig.

Es ist wichtig, eine gewisse geistige Beweglichkeit zu bewahren. Das Gehirn neigt dazu, mit der Zeit zu verhärten und in Stagnation zu verfallen. Deshalb sollte man alles tun, um offen und formbar für neue Ideen zu bleiben.

Bruno Pronsato:

Meiner Erfahrung nach gibt es nur einen echten Weg, kreative Stagnation zu vermeiden: jeden Tag ins Studio zu gehen. Für mich ist das wie tägliches Training. Wenn ich meine Fähigkeiten kontinuierlich herausfordere, stoße ich automatisch auf neue Ideen.

Gleichzeitig habe ich gelernt, dass man sich auf gewisse Weise wiederholen muss, um zu wachsen. Diese Wiederholung ist notwendig, um das Handwerk zu meistern. Die großen Durchbrüche kommen selten aus dem Nichts. Sie entstehen durch die kleinen Verschiebungen, die während dieser täglichen Routine passieren.

Wann habt ihr gemerkt, dass zwischen euch mehr als nur gegenseitiger Respekt existiert und tatsächlich eine musikalische Verbindung entstanden ist?

Bruno Pronsato:

Ich glaube, Thomas Melchior spielte eines Tages etwas ab, das er gemeinsam mit Joseph gemacht hatte. Ich wusste sofort, dass es ein Melchior-Track war, aber da war noch etwas anderes drin, das eindeutig nicht von Thomas stammte. Da erzählte er mir von Joseph.

Weniger als eine Woche später fragte mich Joseph nach einem Remix. Seitdem folgten Remixe, Kollaborationen und vieles mehr. Mittlerweile schreiben wir uns fast jede Woche.

J Gabriel:

Für mich begann alles mit Brunos Remix für die Specimen EP von Thomas Melchior und mir. In diese Veröffentlichung floss unglaublich viel Arbeit, und Brunos Remix hat das Ganze auf ein völlig neues Level gehoben.

Es ist etwas Besonderes, wenn jemand etwas wirklich Einzigartiges erschafft und dadurch eine Veröffentlichung in eine andere Dimension hebt. Das kann man nicht erwarten, aber wenn es passiert, ist es magisch. Bis heute gehört dieser Remix zu meinen Lieblingsstücken der letzten Jahre.

J Gabriel, deine Produktionen verbinden komplexes Sounddesign mit spielerischem Groove. Bruno, deine Musik hinterfragt seit Jahren klassische Vorstellungen von Rhythmus und Struktur. Wie ergänzen sich eure Ansätze bei gemeinsamen Projekten?

Bruno Pronsato:

Was mich ursprünglich an Joseph fasziniert hat, war genau diese Verspieltheit. Normalerweise wirkt Verspieltheit in Musik eher abschreckend auf mich. Historisch haben mich immer eher abstrakte Ansätze interessiert.

Aber Joseph besitzt eine außergewöhnlich ausgereifte Form von Verspieltheit. Das ist unglaublich selten. Genau dadurch bekommen meine eher abstrakten Tendenzen eine ganz neue Lebendigkeit.

J Gabriel:

Genau das lässt die Zusammenarbeit so natürlich fließen. Man möchte seine eigene Stimme und Perspektive in ein Projekt einbringen. Gleichzeitig gibt es immer ein Element der Unvorhersehbarkeit, das unglaublich spannend ist.

Manchmal wird nur die Grundidee verändert, manchmal wird das komplette Konzept auf den Kopf gestellt. Es gibt unendlich viel über musikalische Sprache zu lernen. Je besser ich verstehe, welche Energien unter der Oberfläche wirken, desto besser werden meine Stücke.

Zusammenarbeit hilft mir dabei enorm. Die Dynamik verändert sich, sobald mehrere Menschen beteiligt sind. Es entsteht ein Wechselspiel. Dadurch nehme ich viele Feinheiten viel bewusster wahr, und das ist unbezahlbar.

Die Minimal-Szene hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. Welche Aspekte von Minimal Music empfindet ihr heute noch als spannend und unerforscht?

Bruno Pronsato:

Dance Music war schon immer zyklisch. Jedes Jahr scheint eine neue Interpretation dessen aufzutauchen, was als „Minimal“ verstanden wird.

Lustigerweise begeistert mich aktuell vor allem das, was in den letzten Jahren entfernt wurde. Dieser reduktive Ansatz interessiert mich viel mehr als die permanente Notwendigkeit, jede freie Sekunde mit neuen Elementen zu füllen.

Wenn man Dinge wieder zurücknimmt, werden Raum und Spannung erneut zum eigentlichen Ereignis.

J Gabriel:

Für mich geht es darum, den Moment zu transzendieren. Wenn man völlig in den Prozess eintaucht und das Zeitgefühl verliert, wird das nie langweilig.

Ich versuche immer, mich selbst ein wenig zu überraschen und zu faszinieren. Alles im Streben nach Exzellenz und einem tieferen Verständnis des Handwerks. Dieses Gefühl wird für mich immer spannend bleiben, unabhängig davon, wie sich die Welt um uns herum verändert.

Vinyl bleibt das bevorzugte Format dieser Veröffentlichung. Was bietet eine Platte heute noch, das digitale Formate nicht können?

J Gabriel:

Jedes Format hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Deshalb veröffentlichen sowohl Onysia als auch Convent auf Vinyl und digital.

Gerade in der Minimal-Szene legen viele DJs weiterhin Vinyl auf und wir möchten das unterstützen. Außerdem verlangt Vinyl von allen Beteiligten ein höheres Maß an Engagement.

Bruno Pronsato:

Dem kann ich nur zustimmen. Vinyl schafft eine völlig andere Beziehung zur Musik. Es besitzt eine physische Beständigkeit, die digitale Formate einfach nicht reproduzieren können.

Gibt es ein Album, das eure Sicht auf Zusammenarbeit grundlegend verändert hat?

Bruno Pronsato:

Ich war immer offen für Kollaborationen und habe oft Jazz als Inspiration für ungewöhnliche Kombinationen betrachtet.

Ein Album, das meine Sichtweise grundlegend verändert hat, ist John Coltrane and Johnny Hartman.

Es ist eine Meisterklasse in Zurückhaltung. Zu erleben, wie jemand wie Coltrane seine eigene Ausdrucksweise zurücknimmt, um Raum für die gemeinsame Stimmung des Albums zu schaffen, war eine enorme Lektion.

Eine großartige Zusammenarbeit bedeutet nicht, dem anderen seinen eigenen Sound aufzuzwingen. Es geht darum, den gemeinsamen Raum zu finden und zu wissen, wann man sich zurücknehmen muss.

J Gabriel:

Für mich ist es Rap-Musik im Allgemeinen. Besonders die Beziehung zwischen Beatmaker und MC hat mich geprägt.

Selbst wenn beide Rollen von derselben Person übernommen werden – wie bei MF DOOM – geht es immer um Synergie. Das Instrumental verstärkt die Stimme und die Stimme verstärkt das Instrumental. Diese Dynamik ist für Rap fundamental und hat meinen Blick auf Zusammenarbeit stark beeinflusst.


Welche Künstler haben euer musikalisches Denken am stärksten geprägt, auch wenn Hörer diese Einflüsse vielleicht nicht direkt erkennen?

Bruno Pronsato:

Eric Dolphys Out to Lunch und My Bloody Valentines Loveless haben meine frühen Jahre entscheidend geprägt. Ich höre beide Alben bis heute regelmäßig, bevor ich an einem neuen Album arbeite.

In den letzten sieben oder acht Jahren ist jedoch Charles Ives zu meiner größten Obsession geworden, insbesondere seine Orchestral Sets und die Universe Symphony.

Er hat mir beigebracht, wie man über Arrangements nachdenken kann. Ehrlich gesagt ist er heute bei fast jedem Track, den ich produziere, in meinem Kopf präsent.

J Gabriel:

Pink Floyd hatten einen enormen Einfluss auf meine Entwicklung. Für mich sind sie Meister darin, Klanglandschaften zu erschaffen und einen völlig eigenen Sound zu entwickeln.

Außerdem hat mich Rap-Musik stark geprägt. Dieses Genre wurde dominant, weil es alle Regeln gebrochen hat. Diese rebellische Energie hat mich immer fasziniert.

Welchen Track von My Soul Is... Split Series würdet ihr jemandem vorspielen, der eure Musik noch nie gehört hat?

Bruno Pronsato:

Definitiv meinen Soulcircus Mix. Er verbindet meine Lieblingsmomente des Originals mit dem, was mein Kopf aktuell als Jazz interpretiert.

Momentan habe ich eine sehr entspannte Beziehung zu meiner Musik. Der stressige Teil meiner Karriere liegt hinter mir. Genau so fühlt sich dieser Track für mich an.

J Gabriel:

Für eine zufällige Person auf der Straße würde ich Hey There wählen. Der Track besitzt eine schräge, unbeschwerte Energie und erinnert mich teilweise sogar an Devo.

Für jemanden aus unserer Szene würde ich Brunos Soulcircus Mix auswählen, weil darin die DNA aller drei Beteiligten steckt und er den Geist der gesamten EP perfekt einfängt.

Was hört ihr aktuell, das nichts mit Clubmusik zu tun hat?

Bruno Pronsato:

Sehr viel Charles Ives. Außerdem habe ich kürzlich Tony Williams' Life Time entdeckt und höre das Album ständig. Und Kurt Vile läuft bei mir ohnehin immer.

J Gabriel:

Aktuell läuft bei mir viel Burt Bacharach. Es ist schön, sich daran zu erinnern, wie Popmusik früher klang und wie unglaublich hochwertig die Produktionen waren.

Außerdem höre ich den ganzen Tag Bebop-Radio und schalte regelmäßig bei Zane Lowes Show auf Apple Radio 1 ein, um einen Eindruck davon zu bekommen, was in der Mainstream-Musik passiert. Das hilft mir, offen zu bleiben.

Hat die Arbeit an My Soul Is... Split Series Ideen für zukünftige gemeinsame Projekte ausgelöst?

Bruno Pronsato:

Ich arbeite immer gerne mit Joseph zusammen, egal in welcher Form. Und ich liebe seine Stimme. Ehrlich gesagt würde ich eines Tages gerne ein großes Pop-Projekt mit ihm machen.

J Gabriel:

Ich liebe diese Idee. Lass es uns machen!

Ja, wir haben bereits unveröffentlichtes Material. Ein Teil davon wird bald sowohl auf Convent als auch auf Thomas Melchiors Label My King Is Light erscheinen.

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