Search Menu
Home Latest News Menu
NEWS

Omana 2026: Zwischen Pinienwald, Meer und langen Nächten

Sieben Tage, über 100 Artists und ein Festival, das lieber auf lange Sets, sorgfältige Kuratierung und gemeinschaftliche Erfahrung setzt als auf Spektakel. Omana kehrt 2026 in die Bucht von Kalamitsi zurück und erweitert sein Konzept zwischen Dancefloor, Listening Sessions und Wellbeing.

  • Jan Hollstein
  • 24 August 2026
Omana 2026: Zwischen Pinienwald, Meer und langen Nächten

In einer Festivalwelt, die zunehmend auf Größe, Geschwindigkeit und maximale Reizdichte setzt, verfolgt Omana einen bemerkenswert anderen Ansatz. Statt möglichst viele Headliner in möglichst wenig Zeit zu bündeln, baut das Festival auf etwas, das in der elektronischen Musik immer seltener wird: Zeit.

Vom 30. September bis zum 6. Oktober kehrt Omana für seine dritte Ausgabe in die abgelegene Bucht von Kalamitsi auf Chalkidiki zurück. Zwischen bewaldeten Hügeln und offenem Meer entsteht dort über sieben Tage hinweg ein temporärer Mikrokosmos aus Musik, Workshops, Wellbeing und gemeinschaftlichem Alltag. Was als bewusst klein gehaltene Zusammenkunft begann, entwickelt sich 2026 zur bislang ambitioniertesten Ausgabe des Festivals.

Ein Festival, das sich Zeit nimmt

Omana versteht sich nicht als klassisches Wochenende mit dicht getakteten Slots, sondern als lang angelegte Erfahrung. Extended DJ Sets stehen neben Workshops, Listening Sessions und ruhigeren Momenten abseits des Dancefloors. Musik soll hier nicht nur funktionieren, sondern sich entwickeln dürfen.

Gerade die natürliche Umgebung spielt dabei eine zentrale Rolle. Strand, Wald und offene Flächen sind nicht bloß Kulisse, sondern Teil des Konzepts. Der Tagesablauf folgt weniger einem festen Festivalrhythmus als einer kontinuierlichen Bewegung zwischen Tanzen, Zuhören, Erholen und gemeinschaftlichem Erleben.

Diese Langsamkeit ist kein Nebeneffekt, sondern Teil der Identität von Omana. Das Festival setzt auf Immersion statt auf permanente Höhepunkte und versucht, Räume zu schaffen, in denen sich Musik über Stunden entfalten kann.

Über 100 Artists, aber kein Line-up um des Line-ups willen

Mit der zweiten Ankündigungsphase wächst das Programm um 54 weitere Acts und umfasst nun mehr als 100 Künstler:innen. Zu den neuen Namen gehören unter anderem Arno, Cassy, Edward, Helly & DJ Tjizza, Konstantin, Lena Willikens, Peach b2b DJ Sweet6teen, Rhadoo und Vera.

Auffällig ist dabei weniger die Größe des Programms als dessen Ausrichtung. Viele der eingeladenen Artists stehen für eine Form von DJing, die auf Geduld, Dramaturgie und musikalische Tiefe setzt. Rhadoo und Vera zählen seit Jahren zu den prägenden Figuren der Minimal-Szene, während Lena Willikens für genreoffene und experimentelle Sets bekannt ist. Cassy wiederum bewegt sich seit langer Zeit souverän zwischen House und Techno.

Gleichzeitig sorgen Artists wie Peach b2b DJ Sweet6teen oder Helly & DJ Tjizza für eine verspieltere und zeitgenössischere Dynamik. Gerade diese Mischung aus etablierten Stimmen und jüngeren Perspektiven prägt den Charakter des Line-ups.

Bereits mit der ersten Welle hatte Omana Acts wie Dr. Banana, Jane Fitz, PARAMIDA, Carl H, Matthew Jonson, Anthea, Unai Trotti, XDB und Z@P bestätigt. Das Gesamtprogramm bewegt sich zwischen Minimal, House, Techno, Disco und Downtempo und bleibt dabei eng mit der griechischen sowie der europäischen Underground-Szene verbunden.

Giegling, Sunrise und neue kuratorische Handschriften

Neben den einzelnen Artists erweitert Omana auch sein Netzwerk an Stage-Partnern. Neu hinzu kommen Giegling, Sunrise und Alozi. Sie ergänzen bestehende Kooperationen mit Brouqade, Buerro, Danube, Different Times, Misbits und Spacetunes.

Gerade die Beteiligung von Giegling ist bemerkenswert. Das deutsche Label hat sich über Jahre eine klar erkennbare Identität aufgebaut, geprägt von Zurückhaltung, atmosphärischer Tiefe und einem Verständnis von elektronischer Musik, das weniger auf unmittelbare Wirkung als auf langfristige Spannung setzt.

Diese Haltung passt auffällig gut zu Omana. Die Stage-Partnerschaften wirken nicht wie bloße Brand-Platzierungen, sondern wie unterschiedliche kuratorische Perspektiven innerhalb desselben Festivals. Jede Plattform bringt eine eigene Ästhetik, musikalische Sprache und Community mit.

Auch Partisan und Cartulis kehren 2026 zurück und setzen ihre kuratierten Showcases fort. Damit bleibt Omana seinem Ansatz treu, einzelne Szenen und Netzwerke nicht nur über Namen abzubilden, sondern ihnen eigene Räume innerhalb des Festivals zu geben.

Eine neue Stage mit Blick aufs Meer

Auch räumlich entwickelt sich Omana weiter. Für 2026 entsteht eine neue Bühne mit Blick auf das offene Meer. Dort sollen einige der am stärksten erwarteten DJ Sets und Live-Performances stattfinden.

Gleichzeitig wird eine der bestehenden Bühnen neu gedacht. Statt klassischer Peak-Time-Dramaturgie soll sie künftig stärker auf Downtempo und gezielte Listening Sessions ausgerichtet sein. Damit erweitert das Festival seine musikalische Architektur um einen Bereich, in dem Zuhören ebenso wichtig wird wie Tanzen.

Gerade dieser Kontrast könnte zu einem der spannendsten Aspekte der kommenden Ausgabe werden. Auf der einen Seite die Energie großer Momente mit Blick auf das Meer, auf der anderen Seite entschleunigte Sessions, die bis in die Morgenstunden hinein funktionieren können.

So entsteht ein Festival, das nicht versucht, sieben Tage lang dieselbe Intensität zu halten, sondern unterschiedliche Zustände zulässt.

Jane Fitz und Carl H setzen eine Geschichte fort

Einige der stärksten Momente von Omana entstehen offenbar genau dort, wo das Festival Geschichten über mehrere Jahre hinweg weiterführt.

Jane Fitz kehrt nach einem der besonders hervorgehobenen Sets der vorherigen Ausgabe zurück und spielt 2026 ein verlängertes Back-to-back mit Carl H. Allein diese Kombination steht exemplarisch für die Philosophie des Festivals: weniger kurzfristige Überraschung, mehr Vertrauen in lange Spannungsbögen und die Chemie zwischen Artists.

Solche Sets funktionieren besonders gut in einem Format, das nicht permanent zum nächsten Höhepunkt drängt. Wenn DJs mehrere Stunden Zeit bekommen, verändert sich auch das Verhältnis zum Publikum. Übergänge dürfen länger werden, Stimmungen können kippen und Genres müssen nicht sauber voneinander getrennt bleiben.

Gerade für ein Festival wie Omana ist das ein zentraler Bestandteil der musikalischen Identität.

Zwischen Dancefloor und Wellbeing

Musik bleibt zwar das Zentrum von Omana, doch sie ist bewusst nicht das einzige Element.

Das Workshop- und Wellbeing-Programm gehört fest zur Struktur des Festivals und wird 2026 erneut ausgebaut. Mehr als 25 Lehrer:innen, Künstler:innen, Facilitators, Schaman:innen und Ambient Guides gestalten Formate zwischen Yoga, Breathwork, experimentellen Sessions, Kunst und weiteren kreativen Angeboten.

Inhaltlich orientiert sich das Programm an den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Über mehrere Tage hinweg sollen Bewegung, Atmung und gemeinschaftliche Erfahrungen unterschiedliche Qualitäten dieser Elemente erfahrbar machen.

Das kann schnell nach klassischem Festival-Wellnessprogramm klingen. Bei Omana wird es jedoch bewusst als Gegenpol zur musikalischen Intensität verstanden. Zwischen langen Nächten und Dancefloor-Momenten entstehen Räume für Ruhe, Reflexion und Begegnung.

Gerade weil das Festival sieben Tage dauert, bekommt dieser Teil des Programms eine andere Bedeutung. Er funktioniert nicht als Zusatz, den man zwischen zwei Sets besucht, sondern als Teil eines Rhythmus, der sich über die gesamte Woche entwickelt.

Zwischen Urlaub und Festival

Vielleicht liegt genau darin der entscheidende Unterschied zwischen Omana und vielen anderen Festivals.

Sieben Tage verändern die Dynamik.

Nach einigen Nächten verschwimmen die üblichen Grenzen zwischen Event und Alltag. Der Festivalbesuch wird weniger zu einer Abfolge einzelner Programmpunkte und stärker zu einem temporären Lebensraum.

Frühstück, Strand, Workshop, Musik, Begegnungen und lange Nächte werden Teil desselben Ablaufs. Genau dieses Gefühl beschreibt Omana selbst als eine beinahe urlaubsartige Atmosphäre, in der Musik, Workshops und tägliches Leben in einen gemeinsamen Rhythmus übergehen.

Dabei bleibt das musikalische Fundament klar im europäischen Underground verankert. Gerade diese Kombination aus konsequenter Kuratierung und einer Umgebung, die nicht ausschließlich um den Dancefloor gebaut ist, verleiht Omana einen eigenen Charakter.

Ein Gegenentwurf zur Festival-Beschleunigung

Omana wächst. Mehr Artists, neue Partner und eine zusätzliche Stage zeigen deutlich, dass das Festival ambitionierter wird.

Entscheidend wird sein, ob es dabei das bewahren kann, was seinen Reiz ausmacht: Geduld.

Denn genau darin liegt die eigentliche Besonderheit des Formats. Nicht darin, dass mehr als 100 Artists auf dem Line-up stehen, sondern darin, dass ihnen und dem Publikum die Möglichkeit gegeben wird, sich Zeit zu nehmen.

Zeit für lange Sets.

Zeit für unerwartete musikalische Entwicklungen.

Zeit für Gespräche.

Zeit für Erholung.

Zeit dafür, dass sich ein Festival nicht wie eine Aneinanderreihung von Höhepunkten anfühlt, sondern wie eine zusammenhängende Woche.

Zwischen Pinienwald, Meer und langen Nächten könnte Omana 2026 damit erneut zeigen, dass ein Festival nicht zwangsläufig immer lauter oder größer werden muss, um sich weiterzuentwickeln.

Manchmal reicht es, ihm mehr Raum zu geben.

Load the next article
Loading...
Loading...